Egal, an welchem Fleck der Welt man heute lebt, dank des World Wild Web sind wir überall dabei und die Welt ist in Sekundenschnelle für uns da. So geht es auch mir in meiner pommerschen Einsamkeit. Hier gibt es nicht mehr als eine Handvoll Häuser, nur zu erreichen über eine alte Kopfsteinpflaster-Straße. Ein paar übrig gebliebene Eingeborene, meinen Hund und mich – und als Sahnehäubchen oben drauf, ganz viel Natur, Wildnis pur. Inklusive Millionen Mücken im Sommer und weißem Weltuntergang im Winter. Stressfreier Raum, sozusagen. Und ich bin nie allein, von morgens bis abends bin ich online. Das Geld muss verdient werden – und danach chatten, bis zum Abwinken. Beim Chillen zwischendurch helfen mir dann diverse Zeitschriften, die per Geschenkabo ins Haus flattern. Das haben sich wohlmeinende Gutmenschen für mich ausgedacht, vielleicht auch, weil sie mein Klagen über die fünfzig Kilometer, die zwischen mir und meinen Lieblingszeitschriften liegen, nicht mehr ertragen konnten.
Ein schönes Leben, fast immer, denn auch hier ist man nicht vor Elend und Verzweiflung geschützt. Treffen mit Artgenossen sind schwer zu bewerkstelligen. Im Sommer gibt es hin und wieder Besuch, der auch schon mal Belästigung genannt werden kann. Aber will ich selber mal richtig feiern, wird es schwierig. Hinkommen geht noch, aber wie zurück? Immer nur nüchtern übers Parkett? Da lohnt sich Aufwand nicht.
Die wirklichen Katastrophen sehen allerdings anders aus. Gewitterstürme, die die Leitungen lahmlegen, Mähdrescher, die sie von ihren Pfosten reißen und mich damit ins offline Elend stürzen. Und dann, immer wieder und natürlich immer zur falschen Zeit, leere Druckerpatronen, keine HP Druckerpatronen
weit und breit. Und ein liebendes Mutterherz, den meine Mum hatte die Idee, die mich bis zum Ende meiner Tage vor diesem Schmerz bewahren wird. Ein weiteres Geschenkabo, keine Zeitschrift dieses Mal – jetzt liefert die Post regelmäßig HP Druckerpatronen. Na also, geht doch, das Leben ist schön.
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